Battlestar Galactica Review

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Die Neuauflage der Science Fiction Serie Battlestar Glactica hat ein Marketingproblem wie mir scheint, der Name erinnert zu sehr an das 70er Original und das steht in einem Regal neben Star Trek, Stargate, Babylon 5, Farscape und anderen SciFi Serien in denen die Charaktere jede Folge mit einem anderen verrückten Phänomen konfrontiert werden. Zeitreisen, Weltraumamöben, Gedankenkontrolle durch Aliens mit komischen Köpfen und endlos aneinandergereihte Technophrasen von schlecht angezogenen Leuten im Schlafanzug haben das Science Fiction Genre als Fernsehserie für Jahrzehnte geprägt.

Battlestar Galactica hat all diese Klischees aus der Luftschleuse geworfen, keine Aliens, keine bösen Zwillinge aus dem Paralleluniversum, der Weltraum dient hier lediglich als Kulisse für ein wunderschönes und episches Charakterdrama. Glactica konfrontiert uns mit unserer dunklen Seite und stellt die großen Fragen über Mensch und Gesellschaft, wie es in den guten alten Tagen die eigentlich Aufgabe der Science Fiction Literatur gewesen ist. Ich bin sicher es gibt eine menge Menschen da draußen die Battlestar lieben würden, bisher aber von dem Namen abgeschreckt wurden und nie einen Blick riskiert haben. Das ist der Grund warum ich auch noch 4 Jahre nach dem Ende der Serie diesen Nachruf schreibe, auf ein Meisterwerk seines Genres, das auch völlig unabhängig vom Science Fiction zu den besten Serien unserer Zeit gehört.

Die Schauspieler waren am Anfang skeptisch

kirkEdward James Olmos, der die Rolle von Commander William Adama spielt, hat nach Bladerunner einen Bogen um das Science Fiction Genre gemacht und auch das ihm zugeschickte Script von Battlestar Galactica erst ohne zu lesen in die Ecke geworfen. Jeder Kopie wurde damals ein Mission Statement der Produzenten beigelegt, ein Pitch in dem kurz umrissen wurde was die Serie werden soll und vor allen Dingen was nicht. Dieser Text hat Olmos überzeugt dem Drehbuch eine Chance zu geben und ein mal angefangen zu lesen war er schnell fasziniert von der intelligenten Erzählung und musste die Rolle einfach annehmen. Er hatte allerdings eine Bedingung, er möchte unter keinen Umständen in Ringkämpfe gegen irgendwelche Weltraum-Monster verwickelt werden. Viele BSG Schauspieler erzählen eine ähnliche Geschichte und wurden erst vom Namen der Serie abgeschreckt, zum Glück haben sie sich dann doch dafür entschieden die Rollen zu übernehmen. Die Hauptcharaktere Commander Adama und President Laura Roslin, gespielt von Mary McDonnell, waren die Wunschkandidaten der Produktion und alle tragenden Rollen werden von beeindruckend talentierten Schauspielern gespielt, die sich wirklich mit den komplexen Charakteren auseinandersetzen.

Mission Statement: Our goal is nothing less than the reinvention of the science fiction television series. We take as a given the idea that the traditional space opera, with its stock characters, techno-double-talk, bumpy-headed aliens, thespian histrionics, and empty heroics has run its course and a new approach is required. That approach is to introduce realism into what has heretofore been an aggressively unrealistic genre. Call it Naturalistic Science Fiction. We will eschew the usual stories about parallel universes, time-travel, mind-control, evil twins, God-like powers and all the other clichés of the genre. Our show is first and foremost a drama. It is about people.

Eine Serie über Politik, Millitär und Religion

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Wie das 70er Original erzählt Battlestar Galactica die Geschichte einer menschlichen Zivilisation am anderen Ende der Galaxie, die von ihrer eigenen Kreation, der künstlichen Intelligenz, ausgelöscht wird. Nur 50.000 Menschen überleben den Holocaust und entkommen auf einer Flotte alter Schiffe, beschützt vom ausrangierten Kampfstern Galactica. Was mit Menschen unter diesen Extrembedingungen aber psychologisch passiert wird im Original nicht wirklich behandelt. Die Neuauflage zeigt die Schicksale der Menschen, die jetzt hungernd und zusammengepfercht auf engem Raum, mit schwindenden Ressourcen nach einem neuen Zuhause suchen. Die Machtkämpfe zwischen dem, was von der Zivilen Regierung übrig geblieben ist und dem Militär zerrütten die Flotte ebenso wie die Tatsache, das jetzt jeder eine Cylon sein könnte, da sich die Maschinen weiterentwickelt haben. Die einzige Hoffnung, eine Prophezeiung über die Erde, die vergessene 13te Kolonie der Menschen, aus den Schriften der alten Götter, die sich gegen den aufkommenden Monotheismus behaupten müssen.

Die Fortsetzungsgeschichte wird in 4 Staffeln zu Ende erzählt. Visuell gehört BSG zum Besten was das Genre zu bieten hat, gefilmt wie eine Dokumentation mit unglaublich emotionalen Bildern. Der Soundtrack von Bear McCreary hat sich einen speziellen Platz in meinem Herzen verdient und befindet sich immer auf meinem iPod, als Musiker kann ich da wirklich nur meinen Hut nehmen. Die Produzenten und Schauspieler wurden nicht umsonst 2009 von den Vereinten Nationen, als erste Serie in der Geschichte, eingeladen um in einer Sondersitzung über ihre Leistungen und den Umgang mit politisch aktuellen Themen zu sprechen. Ob du Science Fiction magst oder nicht, wenn du dich ernsthaft mit unserer Welt beschäftigst und gute Unterhaltung liebst, solltest du dem Pilotfilm eine echte Chance geben.

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